Zum 100. Geburtstag von Czesław Miłosz
Am 30. Juni 1911 wurde der polnische Schrifststeller und Literaturwissenschaftler Czesław Miłoszs in Šeteniai (im heutigen Litauen) geboren. „Von schwermütiger Nachdenklichkeit und leidenschaftlichem Engagement“, so beschreibt Marcel Reich-Ranicki einen der größten Dichter des 20. Jahrhunderts, der 1980 den Literaturnobelpreis erhielt.
Seine Kindheit verbrachte Czesław Miłosz in der Zeit der Weltkriege, innerhalb politischer Unruhen und Spannungen in einer sich wandelnden Welt, die ihn brandmarken und Quelle seines schreiberischen Schaffens werden sollten. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Exilierung aus seiner Heimat Polen durch die damalige kommunistische Regierung, die seine kommunismuskritischen Schriften kritisierte. Freunde und Bekannte sagten ihm nach, dass er sein Leben lang die Idee verfolge, er könne irgendwie das Leid in der Welt lindern, wenn er doch einen Weg finde das Wesen seiner eigenen Erfahrungen vom Leben in Worten zu erfassen. Das war sein großes Bestreben. Seine Leidenschaft, die ihn zu solch einem großen Poeten machte.
In den 30er Jahren entstanden seine ersten Gedichte wie Artificer und er beteiligte sich in Polen an einer avangardistischen Literaturgruppe von Studenten. Er begann ein Studium der Literatur, beendete es jedoch widerwillig in Jura und erhielt erste literarische Preise und Stipendium, die ihm den Weg in die Welt öffneten. Im Zweiten Weltkrieg stand seine Heimat Polen unter deutscher Besatzung und er wurde in der Widerstandsbewegung im Untergrund aktiv.
Ein bedeutendes Werk Miłoszs ist das 1953 erschienene, anti-stalinistische Buch „The Captive Mind“ (“Verführtes Denken“), das die Verführbarkeit von Intellektuellen durch kommunistische Regimes analysiert:
“Der Vater soll seinen entarteten Sohn, der die Würger seiner Landsleute verherrlichte, verflucht haben. Er starb bald irgendwo in jenen Räumen, wo tausend Meilen eine kleine Entfernung sind. Die Mutter und die Schwester führten das schwere Leben von Sklavinnen. Zur selben Zeit hielt Gamma auf den Versammlungen feuerige Reden, was für ein Glück es sei, unter dem neuen, dem allerbesten System zu leben.” (Verführtes Denken, 1953)
Schriften wie diese zwangen ihn 1951 schweren Herzens mit der polnischen Regierung zu brechen. Nach einigen diplomatischen Tätigkeiten wird seine zweite Heimat Berkeley in den USA, wo er eine Professur antritt. Der Ausschluss aus Polen macht ihn krank und einsam, jahrelang wird ihm wegen seiner kritischen Schriften eine anti-polnische und pro-westliche Haltung vorgeworfen. Eine bodenlose Anfechtung, da Miłosz sein Leben lang fast ausschließlich auf polnisch schrieb. Erst über 30 Jahre später 1989 durfte er endgültig nach Polen zurückkehren. Am 14. August 2004 starb er in Krakau, Polen.
