Johannas Lieblingsbuch
Eher zufällig stieß ich im Buchladen auf die „Dreißig Gespräche“ des Max Dax. Ich war auf der Suche nach einem Buch, das in irgendeiner Art und Weise Musik zum Thema hat und da mich besonders einfache Cover ansprechen, fiel mir sofort die schlicht gelbe Interviewsammlung des ehemaligen Spex-Chefredakteurs ins Auge. Darin sind dreißig Gespräche versammelt, unter anderem mit Iggy Pop, David Bowie, Johnny Marr und dem großen Denker des Pop Diedrich Diederichsen. Für mich, die neben der Literatur auch die Musik, besonders die zeitgenössische Rock- und Popmusik, liebt also genau das Richtige. So kaufte ich flugs das Buch und las es in einem Schwung durch. Und war von der intimen und eigentümlich atmosphärischen Art des Dax Interviews zu führen zutiefst beeindruckt. Er schafft in seinen Gesprächen eine Stimmung, die freundschaftlich und beinahe innig scheint. Er verfolgt ein Ziel mit seinen Fragen ohne zudringlich oder plump zu sein, er ist ausgesprochen gut informiert über den Gesprächspartner und interessiert an ihm. Dies scheint mir sowieso das Wichtigste zu sein: das Interesse am Anderen, etwas, das nicht in vielen Interviews zu lesen ist. Ein gutes Interview zu führen ist eine Kunst zu der alle Beteiligten beitragen können und müssen, Interviewer wie Interviewter. Nicht immer sind die zu Befragenden einfache Charaktere, aber Dax schafft es auf eigentümliche Weise selbst die schwierigen Gesprächspartner einzunehmen und zu einem guten Gespräch zu bringen. Das Buch ist für mich nicht nur eine sprudelnde Quelle an Auskünften über Größen des Pop, sondern auch ein Lehrbuch für die Kunst des Interviews, eine Kunst, die ich selbst gern beherrschen möchte.