Rezension: Lachen und Schießen

Lachen und Schießen

Dem Münchner Kabarettisten Lorenz Merz vergeht das Lachen: Damit nicht genug, dass ein belgischer Großkonzern namens „Gag-Factory“ sein Arbeitsumfeld, das klassische Kabarett, durch seichte Unterhaltung zu verdrängen sucht. Die Humor-Industrie entpuppt sich spätestens dann als knallhartes Geschäft, als das Urgestein der traditionsreichen Lach-Kompanie mitten auf der Bühne erschossen wird. Und auch für andere Münchner aus der Humorszene heißt es Schluss mit lustig, als ihnen aufgeht, dass nicht nur ihre Arbeitsplätze sondern auch ihre Leben auf dem Spiel stehen. Die niederländische Kommissarin Anneke van Royen wird gleich zu Beginn mit dem tödlichen Humor des bayerischen Kabaretts konfrontiert und hat während ihres ersten Falls in Deutschland weiß Gott nicht viel zu lachen.

Der Titel von Harry Lucks München-Krimi „Lachen und Schießen“ klingt vielversprechend. Innovativ und gleichzeitig gewagt erscheint die Idee, die Humorbranche mit dem Ernst des Kriminalromans zu verbinden. Jenes Format gepaart mit dem Bestseller-Aufkleber auf dem Cover schürt jedenfalls große Erwartungen – in diesem Fall nicht unbedingt förderlich. Denn Lucks Roman erscheint vor allem in Hinblick auf seine heikle Themenwahl enttäuschend gewöhnlich. Münchnern wird eine allzu große Unzufriedenheit dadurch erspart, dass ihnen die Lach- und Schießgesellschaft der bayerischen Hauptstadt ein Begriff ist und sie den Titel von Lucks Kriminalroman als Anspielung auf das traditionsreiche politische Kabarett Münchens verstehen. Wer jedoch kein großer Münchenkenner oder Kabarettliebhaber ist, wird den Titel des Werks als programmatisch interpretieren und große Gegensätze sowie Innovationen erwarten. Die auftauchenden Kommissare sowie andere Involvierte allerdings muten recht austauschbar an. Eine Ausnahme stellt lediglich die Protagonistin aus Holland dar, welche allerdings vor allem durch ihr Besserwissertum und ihre übertriebene Empfindsamkeit im Gedächtnis bleibt. Die Handlung schließlich ist annehmbar aber nicht so einfallsreich wie erhofft:

Komödie, Tragödie, MaskenAuf doch halbwegs kurzweiligen 200 Seiten wird das schwere Dasein intelligenten Humors dem der Mainstream-Comedy entgegengestellt. Allem voran der Leser, der die Qualität der Komiker kennt, welche die Fernsehunterhaltung derzeit übernehmen, fiebert tatsächlich mit den Vertretern echten Witzes mit und ist geradezu versucht, den kapitalistischen Gegenspielern allein durch ihre unsympathischen Züge Mehrfachmorde durchaus zuzutrauen. Leider kommt das Lesevergnügen erst mit der Zeit in Fahrt. Zunächst fällt es  schwer, die vielen auftretenden Figuren auseinander zu halten und richtig einzuordnen. Im Verlauf jedoch kristallisiert sich ein kritischer Blick auf Kapitalismus, Mainstream und geistige Verblödung heraus, gehüllt allerdings ist dieser in eine etwas kraftlose aber durchaus authentisch anmutende Geschichte über die Sucht nach Anerkennung sowie Verrat und Mord.

 

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